Mission: 11. Juli

Mission 13. Juli & Zwei von Achtzig Millionen.

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Spanien ist Weltmeister. Wahrscheinlich sogar verdient weil sie die beste Mannschaft des Turniers im Halbfinale geschlagen haben: Deutschland Am 13. Juni 2014 beginnt die nächste Weltmeisterschaft in Brasilien. Bis dahin bleibt dieses Blog eine schöne Erinnerung an eine Weltmeisterschaft, in der Deutschland die ganze Welt positiv überrascht wenn nicht sogar verzaubert hat. Am 13. juli 2014 findet das Finale der nächsten Weltmeisterschaft statt und vielleicht fange ich 6 bis 7 Wochen vorher wieder an ein Blog zu schreiben. Der Name steht auch schon fest, wie könnte es auch anders heissen: Mission 13. Juli.

Mir bleibt es hier und heute nur noch Danke zu sagen an all die vielen Leute, die im Laufe der letzten Wochen mich motiviert und unterstützt haben. An all die, die immer wieder mit sehr guten Kommentaren dieses Blog bereichert und erst zu dem gemacht haben was es ist. Besonders danken möchte ich mich bei Michael Kroker (@MichaelKroker), Chritoph Wallrafen (@ChrisWallrafen), Semira Soraya-Kandan (@SemiraSK), Björn Eichstädt (@beichstaedt) und last but not least Sachar Kirwoj (@sachark)

Mit Sachar werde ich auch ein neues Blog beginnen. Es geht um Fussball aus zwei unterschiedlichen Perspektiven aber auch darüber hinaus. Ab Morgen unter: http://zweivonachtzig.posterous.com

Der letzte Weltmeister 1.0! Ein Gastbeitrag von Björn Eichstädt (@beichstaedt)

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Was hab ich mir da bloß angetan? Bei Twitter kann alles so schnell gehen. Da kommt Tapio Liller mit einem Tweet um die Ecke, schlägt Amir vor, dass ich doch einen Gastbeitrag zum letzten Spiel der deutschen Mannschaft bei der WM 2010 in seinem jetzt schon legendären Blog schreiben soll. Und jetzt sitze ich hier. Die deutsche Mannschaft hat gerade knapp, aber am Ende dann doch verdient gewonnen. Und ich werde mir immer bewusster darüber, dass ich von Fußball keine Ahnung habe.

Dabei war das mal anders. Ich erinnere mich noch gut an mein zehntes Lebensjahr. Es war die Saison 1983/84 und ich hatte gerade voller Stolz mein Panini-Sammelalbum fertigbekommen. Ich erinnere mich noch immer an die Förster-Brüder vom VfB Stuttgart, Asgeir Sigurvinsson, der Isländer vom gleichen Verein, den wir am Nachmittag auf dem Bolzplatz immer „Asgeier“ nannten. Und dann war da meine Lieblingsmannschaft Bayern München mit Jean-Marie Pfaff im Tor. Der bracht mich dazu, dass ich in die Klassenzeitschrift der dritten Klasse schrieb, dass ich mal Torwart werden wolle. Das Bild von Pfaff war mein ganzer Stolz und das Album voll: Alle Spieler, alle Mannschaften, alle Vereinslogos. Und aus dem Bücherregal meines Vaters hatte ich das dicke Hardcoverbuch zur WM 1974 gezogen. Deutschland war mal Weltmeister. 

Ich war beeindruckt. Und lernte gleich alle Spielernamen dieser triumphalen Mannschaft auswendig. Maier, Beckenbauer, Breitner, Netzer, Müller, Schwarzenbeck, Vogts, Bonhof, Overath, die anderen weiß ich nicht mehr. Ich kannte nur die Bilder aus dem dicken Buch, die Spiele habe ich erst Jahre später gesehen. Aber dann habe ich Mitte der 80er die Rocky-Filme für mich entdeckt und interessierte mich künftig mehr für Muhammad Ali oder Mike Tyson als für Fußball. Und das blieb auch ganz schön lange so. Die WM 1986 war die letzte, die mir nachdrücklich in Erinnerung blieb. Selbst die Weltmeisterschaft 1990 ist dann irgendwie an mir vorbeigegangen.

Doch dann kam 2006 – und mit der WM in Deutschland auch einer, der mich nachhaltig beeindruckte: Jürgen Klinsmann. Den kannte ich noch aus meinem Sammelalbum der Saison 1983/84 oder war es 1984/85? Auf jeden Fall war er damals gerade von den Stuttgarter Kickers gekommen und ich habe zur gleichen Zeit einmal mit jemandem Fußball gespielt, der steif und fest behauptete, schon mal mit dem Klinsmann bei den Kickers gespielt zu haben. Als er mir einen Ball frontal in den Bauch geschossen hat, habe ich ihm das geglaubt. Klinsmanns Spielerzeit habe ich nach dem VfB Stuttgart irgendwie auch aus den Augen verloren gehabt. Aber da stand er an der Seitenlinie und sagte in Interviews tolle Sachen, die mich irgendwie an die gerade aufkommende Blogosphäre erinnerten, an das, was gerade Web 2.0 hieß und was nach Revolution roch.

Alles ein bisschen experimentell, ein bisschen: lass es mal ganz anders versuchen. Aber gerade deshalb so erfrischend unstrukturiert und euphorisch. Jogi Löw habe ich 2006 gar nicht so registriert. Vor ihm glänzte der Fußball-2.0-Entrepreneur Klinsmann. Zwar ein bisschen ohne Geschäftsmodell, aber als Change-Agent sonders gleichen. Und als er dann ging hatte ich doch große Befürchtungen, dass der Old-Economy-Fußball wieder siegen würde, der Fußball, der mich über Jahre lang nur Boxen hat schauen lassen. Gerade auch, als er kurz darauf noch mal bei Bayern München aufschlug und in die alten Herren so richtig in die Pfannen gehauen haben. „Vorbei mit 2.0“ waren meine Gedanken. Und das passte auch irgendwie in die Zeit. 

Dass Jogi Löw das alles weiterführen könnte, das habe ich eigentlich nicht gedacht. Aber tatsächlich passte auch er in seine Zeit. Eine Zeit in der die Blogger als Vorhut des Web 2.0 von großen Anbietern wie Twitter, Facebook und Co. überrundet wurden. In der YouTube zur größten Videoplattform der Welt aufstieg. In der so etwas wie Geschäftsstrategie in den Social Media Einzug hielt. Die wilden Web 2.0 Entrepreneure mit Leidenschaft und ohne Geld wurden von jungen Unternehmer-Managern überholt, die mit viel Elan, noch mehr Geschwindigkeit und vor allem: mit Strategie durchstarteten. 

Und die Mannschaft von Jogi Löw zeigte dann in den letzten Wochen, vor allem im Achtel- und Viertelfinale, dass sie dieser Generation ebenfalls angehört. Eifer, Teamgeist, Emotion und Euphorie – UND Strategie. Doch im Halbfinale war da auf einmal wieder dieser Respekt. Vor den großen Namen. Der großen Mannschaft. Und obwohl sie Tausendschaften bei Twitter hinter sich wussten, hatten sie dann doch die Hosen voll, als die Spanier sich ihnen in den Weg stellten. Eine direkte Revolution mit unmittelbarem Durchmarsch – hin zum Fußball 2.0 – war damit nicht gelungen. 

Heute hat die Mannschaft das ein bisschen wieder gutgemacht. Ein bisschen. Gerade am Anfang und am Ende war da wieder der Kampfgeist. Mit einem Ansatz von Strategie. Nicht so stark wie gegen England und Argentinien, lange nicht. Aber doch mit einem Blick in die Zukunft. Sie sind im Halbfinale gefallen, aber sie sind, wenn auch etwas schwerfällig wieder aufgestanden. Eine spannende WM ist damit für Deutschland vorbei. Eine WM, die den Fußball für immer verändert hat. Das lag in Teilen an der deutschen Mannschaft, die jetzt einfach noch konsequenter an sich feilen muss. Vielleicht ein paar Bücher über Steve Jobs Management-Strategien lesen sollte, aber ansonsten beim nächsten Mal voll durchstarten kann. Aber die WM hat vieles andere mit sich gebracht, das sie für immer als den ersten Schritt zur WM 2.0 in Erinnerung halten wird. 

Da wäre zum ersten: die erste WM auf Twitter. Es war einfach klasse, wie sich das Spielerlebnis durch Kommunikation 2.0 verändert hat. Dann war da Amirs Blog, in dem ich jetzt einen Artikel schreiben darf, der mir fast mehr Spaß gemacht hat, als so manches Spiel. Und der die Vorfreude gerade auf das Argentinien-Match ins Unermessliche steigerte. Und schließlich zeigte sich während der WM auch, wie künftig professionelle Kommunikation im Web zu gestalten ist. Das SEA LIFE in Oberhausen (http://www.aquarium-ob.de/) schuf mit Paul dem Kraken einen absurden Held dieser Weltmeisterschaft, einen Knut für die 2.0-Ära, der nicht wie die deutsche Elf FAST alles richtig machte, sondern schlicht und ergreifend: ALLES. 100 Prozent Trefferquote bei den Vorhersagen für die deutsche Mannschaft. Ich werde nie wieder Oktopus essen; nach dieser letzten WM 1.0. 

Und für alle Kritiker schon einmal vorweg geschickt: ja, ich habe keine Ahnung von Fußball. 

Gehe nie mit einem Messer zu einer Schiesserei: Wie Löw das Spiel gegen Spanien verlor.

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Am Mittwoch Abend haben wir eine Demonstration der Stärke, Dominanz und taktischer Perfektion erlebt. Die spanische Nationalmannschaft hat hoch verdient und hoch überlegen gegen Deutschland gewonnen und ist im Finale der Weltmeisterschaft. So weit die Fakten. In den letzten 36 Stunden aber wird auch von den so genannten Experten mit atemberaubender Ignoranz vom Scheitern der Mannschaft, von nicht vorhandener Form einzelner Spieler und dem kollektiven versagen der Nationalelf bei wichtigsten Spiel des Turniers gesprochen. Aber Niemand will offensichtlich erkennen, dass die Leistung auf dem Platz nur die Konsequenz von gravierenden und vermeidbaren Fehlentscheidungen und einer falschen Strategie des Bundestrainers war.

Wie in diesem Blog bereits am Dienstag geschrieben hat Spanien wie seit 3 Jahren in einem 4-1-1-2-2 System gespielt. Die Grundordnung, die Raumaufteilung und auch die Konzeption war uns allen aber vor allem Löw schon vorher bekannt. Die einzige Änderung, die zwar unerwartet aber wenig überraschend war, war der Einsatz vom Pedro statt Torres. Wieso wenig überraschend? Erstens weil Torres nicht in Form ist und zweitens weil Del Bosque mit Pedro die ihm einzig richtige noch verbliebene Variante, die sinn machen würde gewählt hat. Ein sehr schneller, technisch versierter Spieler, der genau dort eingesetzt wurde, wo das grösste Momentum des spanischen Spiels aber auch die grösste Schwachstelle des deutschen Spiels liegt: Auf der linken deutschen Seite. Xavi, Iniesta und Pedro als Dreieck waren es auch, die, Boateng und Posolski die Grenzen aufgezeigt und indirekt auch Schweinsteiger neutralisiert haben, weil er nur noch mit hinter dem ball herlaufen und Lücken schliessen beschäftigt war. Löw hat das nicht gesehen oder nicht sehen wollen. Und da liegt sein erster grosser Fehler.

Der zweite Fehler war die Berufung von Trochowski als Müller Ersatz auf der rechten deutschen und der spanischen linken und der einzigen Ahillesferse im spanischen team. Nicht dass wir uns falsch verstehen. Trochowski ist ein sehr guter Spieler, aber er ist sehr eindimensional in seinem Wirkungsgrad. Und er war auch mit dieser wichtigen und spielentscheidenden Position von der ersten Minute an schlichtweg überfordert. Dadurch konnte Xabi Alonoso sich auf die offensive konzentrieren. Und Capdevilla war ausser Gefahr. Weil durch dieses Überhgewicht mit Xbai Alonso und Villa Lahm komplett mit Defensivaufgaben beschäftigt war. Ich habe es Dienstag geschrieben und stehe immer noch dazu und man hat es dann ab der 65. Minute gesehen: Kroos von Anfang an hätte dem deutschen Spiel in der offensive noch eine zusätzliche Alternative und eine Verstärkung auf der schwachen spanischen Seite ermöglicht.

Der dritte Fehler und der gravierendste Fehler aber war dass Löw die Mannschaft mit einer falschen Strategie und einer falschen Einstellung in Spiel geschickt hat. Wie ich dazu komme? Man hat es genau nach 5 Minuten gesehen. Die Devise, die ausgegeben war, hiess, kompakt stehen und wie in der zweiten hälfte des Spiels gegen Argentinien und England auf Kontermöglichkeiten lauern. Dadurch hat die Mannschaft sich selbst in Zugzwang begeben. Man kann gegen die beste Mannschaft der Welt das Spiel nicht kontrollieren. Man muss Attacke reiten. Radikal und konsequent. Wie schon am Dienstag besprochen: Dauer Pressing und das Aufreissen der zwei entscheidenden Nahtstellen des spanischen Spiels wären entscheidend gewesen.

Die Devise hätte lauten müssen: "Jungs, das ist das Spiel Eures Lebens. geht raus und spielt eure Seele aus dem Leib, attackiert die Spanier direkt vor ihrem eigenen Sechszehner und habt keine Angst Fehler zu machen. Geniesst es und zeigt der ganzen Welt dass ihr die bessere Mannschaft seid." Löw ist aber selbstkritisch genug zu erkennen, dass eine grosse Mannschaft auch eine grosse und mutige Strategie braucht und ein grosser Trainer auch sie ermutigen muss volles Risiko zu gehen und dabei Fehler zu machen, denn nur aus den Fehlern kann diese junge Mannschaft lernen und immer besser werden. Die Fehler für die zwei verlorenen Spiele gegen Serbien und Spanien hat Löw gemacht, in dem er versucht hat mit einem Messer zu einer Schiesserei zu gehen.

Die Spanische Eröffnung, die Archangelsk Variante & Punk Rock auf den Flügeln.

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Morgen Abend um 20 Uhr 30 spielen wir gegen die beste Mannschaft der Welt. Seit Mitte 2007 gibt es im internationalen Fussball nur zwei Mannschaften, die wegweisenden Fussball gespielt haben: Guardiola's FC Barcelona & Del Bosque's Spanien. Vor dem Turnier und auf dem Papier wären die Verhältnisse ziemlich eindeutig. Auf der einen Seite der erfahrene Europameister mit dem besten Kurzpassspiel, den es je gab und mit einer der beeindruckendsten Serien in der Geschichte von Nationalmannschaften. Auf der anderen Seite eine junge, noch im Aufbau befindliche deutsche Mannschaft, die schon ein mal, vor zwei Jahren im Finale von Wien den Kürzeren gezogen hat. Nur: Fussball wird nicht auf dem Papier gespielt und das Turnier ist schon nächsten Sonntag zu Ende. Also sollten wir uns mal mit dem hier und jetzt beschäftigen.

Die spanische Mannschaft spielt seit 3 Jahren konstant in einem 4-1-1-2-2 System. Vor einer Viererkette spielt Busquetes als defensiver Abräumer, davor leicht links versetzt Xabi Alonso, vor ihm eher rechts orientiert kombinieren Xavi und Iniesta und vor denen laufen links Villa und rechts Torres. Das Hauptziel ist Ballbesitz, Kontrolle und das konzipieren von Torchancen. Es erinnert ein wenig an die berühmte spanische Eröffnung im Schach. Das Ziel ist dort die Mitte zu besetzen und die Figuren so schnell wie möglich zu entwickeln um Übergewicht zu bekommen. Die Vertikale Achse wird bei Offensivaktionen genutzt um die Dominanz auszubauen . Die Flügeln sind nicht oberste Priorität. Genau mit dieser Spielweise haben Sie Deutschland vor 2 Jahren eine Fussball-Lektion erteilt und die Lektion hat Löw mehr als verinnerlicht. Die Ironie des Schicksals will es dass Spanien selbst uns zeigt, wie wir sie schlagen werden.

WIr sollten morgen auch spanisch eröffnen, aber in der moderneren Variante (4-2-1-2-1), auch die Archangelsk Variante genannt. Man versucht auch hier die Mitte zu besetzen aber durch eine kleine Änderung kommt es zu scharfen Positionen. Man hat mehr Optionen im Aufbau und eine einfache und schnellere Entwicklung der Flügeln. Entscheidend dabei sind genau zwei Nahtstellen: Die zwischen Busquetes & den drei offesiven Mittelfeldspielern und die zwischen Xavi, Iniesta und Villa. Konkret heisst das: Bei Ballbesitz Spanien ist Dauer-Pressing bereits 20 Meter vor der spanischen Tor und Punk Rock auf den Flügeln angesagt, eine sehr gute Delta-Stellung auf der linken deutschen Seite zwischen Podolski, Schweinsteiger und Boateng wird die Nahtstelle zum platzen bringen. Xavi und Iniesta werden keinen Fluss und keine Bälle zur Entfaltung bekommen. Wenn Xavi und Iniesta sich nicht entfalten können, dann ist die gesamte offensive der spanischen Mannschaft lahmgelegt. Villa spielt zu weit links aussen und muss sich die Bälle selbst holen und zwar über Xabi Alonso, aber den werden wir so beschäftigen dass er gar nicht mehr weiss wo vorne und hinten ist. 

Die spanische linke Seite ist der Schlüssel zum Sieg. Da sollte statt Müller definitiv Kroos spielen. Warum? Weil Kroos, Khedira und Lahm mit Geschwindigkeit sowohl in der Defensive aber viel wichtiger in der Offensive Dreiecke bilden können und die Schwäche von Capdevilla, den Linksaussen Spaniens und für mich der schwächste in der spanischen Mannschaft offenlegen. Durch diese Betonung auf die rechte Seite müssen Xavi und Iniesta doppelt laufen. Sie müssen vertikal das Feld überqueren um am Spielgeschehen teilzunehmen und dadurch verlieren sie die wenige Kraft die ihnen noch übrig bleibt und die spanische Mannschaft die Ordnung. In diesem entstandenen Chaos, brauchen wir im Manier des Spiels gegen Argentinien und England mit Özil, Khedira, Kroos und Schweinsteiger nur hineinstossen.

Morgen Abend gegen 23 Uhr wird die ehemals beste Mannschaft der Welt von der neuen besten Mannschaft der Welt besiegt sein. Weil die Deutsche Mannschaft drei substantielle Vorteile auf seiner Seite hat, die auch im Schach entscheidend sind: Die totale Kontrolle über Raum und Zeit und die Kraft immer wieder zwei bis drei Gänge dazu zu schalten. Danach hat sie eigentlich nur noch das leichteste Spiel dieses Turniers vor sich: Das Finale.

Gott muss Deutschland Fan sein, sonst würde er nicht seine Söhne bei uns spielen lassen.

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1998 als Texter bei Springer & Jacoby habe ich mit Heiko Schmidt , einem der begnadetsten Art Direktoren dieses Landes eine Kampagne für Borussia Mönchengladbach gemacht. Auf einem der Plakate ist Günther Netzer mit seinen langen Haaren auf dem Feld zu sehen während er Anweisungen gibt, darüber steht die Headline: "Gott muss Borussen Fan sein, sonst hätte er nicht seinen Sohn bei uns spielen lassen." Netzer war neben Beckenbauer und Overath bis Samstag für meine Generation die Personifizierung des besten Fussballs, den Deutschland je gespielt hat. Damit ist jetzt ein für alle mal Schluss.

Was am Samstag passiert ist, hat einiges gewaltig verändert. Es ist aber nicht so, dass ein Wunder passiert ist oder alles Zufall war. Es war vorhersehbar. Zumindest für Löw, die Mannschaft und einige wenige wahnsinnige wie für mich, die schon vor der WM an diese Mannschaft geglaubt haben. Seit Samstag gehen die Uhren anders. Man wird nie wieder von der 72er Mannschaft reden, wenn es um die Nationalmannschaft geht. Die kleinen Jungs die jetzt 5 oder 6 sind, werden nicht mehr Messi oder Ronaldo Trikots anziehen, sondern Schweinsteiger, Khedira, Özil und Müller Trikots. Sie werden mit einem Ball zu Bett gehen, wie wir damals in den 70er Jahren und mit offenen Augen und offenen Mund vor dem Fernseher sitzen, wenn diese Mannschaft spielt. Sie werden später ihren Kindern und Enkelkindern erzählen von dem Sommer 2010, als die deutsche Nationalmannschaft Geschichte geschrieben hat und dabei Tränen in den Augen haben.

Am Samstag hat auch im Weltfussball eine neue Ära begonnen. Die kommenden Jahrzehnte werden von einer neuen Schule gepägt. Genau so wie Holland und sein "Total Football "eine neue Epoche eingeleitet hat und Sacci mit der konsequenten Einführung der Viererkette den Fussball verändert hat, wird das System von Löw weltweit Schule machen. Es ist weniger die Aufstellung auf dem Platz. Es ist viel mehr der Glaube, dass nur technisch gute, sehr schnelle Spieler, die Topfit sind im Stande sind ein Spiel in seiner Gesamtheit zu beherrschen. Weil sie jeder für sich aber auch als Mannschaft in so einer atemberaubenden Geschwindigkeit und auf dem selben hohen Level Defensiv wie Offensiv brillieren können. Defensiv weil sie intuitiv sich sowohl horizontal als auch vertikal als unüberwindbare und bewegliche Mauer für die gegnerische Mannschaft aufstellt und offensiv weil sie bei Ballbesitz in Lichtgeschwindigkeit ausschwärmt und das Spiel über aussen breit macht um Lücken aufzureissen, in die sie dann gnadenlos und präzise hineinstösst und mit ein, zwei oder drei Ballberührungen zum Abschluss zu kommen. Ich nenne es "Super Sonic Football". 

Ein System und eine Philiopsphie ist und bleibt aber so lange Theorie so lange es nicht die Spieler gibt, die dieses System inhalieren, leben und auf höchstem Level spielen können. Löw darf sich glücklich schätzen dass seine Gedanken und seine Visionen von einer Mannschaft umgesetzt werden, die was Qualität, taktisches Verständnis und Zusammenhalt, Schnelligkeit und Fitness anbelangt auf der Welt als Einheit ihres gleichen suchen. Wie schon vor Wochen in diesem Blog angeführt, die zeit der Einzelkönner im Fussball ist vorbei, weil sie als einzelne nie die kollektive Qualität einer so berauschend harmonierenden und spielenden Mannschaft wie die deutschen aufwiegen können. Und wenn ich mir die Jungs so ansehe, dann werde ich wie der kleine Junge von 6 Jahren in Teheran. Während Ihrer Spiele bin ich in Trance, nach Ihren Toren vergesse ich Raum und Zeit und nach jedem Spiel fühle ich mich so als ob ich gerade 14 Tage durchgefeiert habe und kann die Augen nicht zumachen weil ich jede Sekunde in mich hinein saugen will: die Stimmung, die Erinnerung, die Spielweise, die Art ihrer Dominanz. Man hat so viel Adrenalin im Blut dass es für vier Leben reicht. Und mittlerweile geht es glaube ich noch ein paar Millionen anderen so.

ich werde jetzt definitiv noch eins tun. Das Plakat mit dem Netzer, das mit seiner Originalunterschrift in der Sansibar auf Sylt hängt, muss ausgetauscht werden. Das neue Plakat sieht so aus: Wir sehen die 2010er Nationalmannschaft, wie sie im Kreis stehen und sich auf das Spiel einstimmen und darüber steht die Headline: "Gott muss Deutschland Fan sein, sonst würde er nicht seine Söhne bei uns spielen lassen." Vielleicht kriege ich sogar die Original-Unterschriften der Spieler und werde es in 40 Jahren meinen Enkeln schenken, als eine wertvolle Erinnerung an die beste Deustche Nationalmannschaft, die es je gab.

Für Dich Maradona immer noch: Herr Schweinsteiger.

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Diego Armando Maradona ist immer noch einer der besten Fussballspieler der Geschichte. Diesen Respekt sollte man ihm erweisen. Er wird in Argentinien als National-Heiligtum angesehen. Und auch die Gefühlslage und den Stolz des argentinischen Volkes sollte man ehren. Meine Zuneigung zu ihm als Fussballer ging vor 7 Jahren sogar so weit, dass ich für die Einführungskampagne des damals neuen Claims für Volkswagen "Aus Liebe zum Automobil" die aus Liebesgedichten zu den unterschiedlichen Autos von Volkswagen bestand, unter dem Künstlernamen Diego Armando einige diese Gedichte verfasst habe. die tauchten später bei Hochzeitseinladungen und sogar bedauerlicherweise bei einer Todesanzeige vor.
EIn Aussergewöhnliches Talent schützt aber vor Arroganz, Respektlosigkeit und Ignoranz nicht und das ist genau das Problem von Argentinien.

Morgen spielt nicht die Nationalmannschaft Argentiniens gegen Deutschland sondern Diego Armando Maradona, sein Stolz, seine Sichtweise, seine Träume und sein Charakter gegen unsere Jungs. Und genau das wird ihnen zum Verhängnis werden. Aus der Sicht eines Jahrhundertgenies , das über die Hand Gottes verfügen soll sind grossartige Spieler wie Schweinsteiger, Özil, Khedira und Müller einfache Erdlinge und in dieser abgehobenen Sichtweise liegt die Achillesferse der Argentinier.

Maradona wird seinen Mannen grösser machen wollen als sie sind. Sie sollen 11 Diegos sein. Unbesiegbar, Überirdisch, Überlegen und Unantastbar. Und er wird sich um die Deutschen und ihre Befindlichkeit nicht scheren. er ist Maradonna, Er alleine kann Wunder bewirken. Er war es, der allen so genannten Experten bewiesen hat, dass er sogar als Trainer ein Ausnahmetalent ist. Er wird sich nicht herablassen und sich mit Dingen wie das System der Deutschen, ihre Schlüsselspieler, ihre mentale und körperliche Stärke beschäftigen.

Wir müssen also morgen nicht Messi schlagen, oder die Schwächen der argentinischen Abwehr ausnutzen oder das Mitteflfeld der Argentinier unter Druck setzen und die Räume zumachen. WIr müssen ganz einfach, ganz souverän und ganz elegant Maradona zur Verzweifelung bringen. Je mehr das Spiel nicht nach seinem Geschmack läuft, desto eher wird er aus reinen emotionalen Gründen falsche Entscheidungen treffen. Er wird seine Mannschaft noch mehr pushen, er wird Auswechselungen vornehmen, die keinen Sinn machen. Er wird Messi Anweisungen geben wie er zu spielen hat und er wird in aller härtesten Konsequenz seine Mannschaft zur puren hässlichen Aktionen auffordern, alleine um sich selbst und der Welt zu beweisen, dass er, Maradona, auch Revanche nehmen kann für die bittere Niederlage von Rom vor 20 Jahren.

Aber wie heisst es so schön: Hochmut kommt vor dem Fall und in dem er ganz arrogant in einer Pressekonferenz sich herablassend und ignorant gegenüber Schweinsteiger und der Deutschen Mannschaft geäussert hat, haben die Dinge unwiederbringlich ihren Lauf genommen. Der deutsche ICE ist aus dem Bahnhof und rollt mit 300 Sachen auf ihn zu. Hoffentlich wird er dann im Moment der Niederlage die menschliche Grösse zeigen, in dem er sich wahrhaftig zeigt und der deutschen Mannschaft seine Ehre erweist, weil sie die bessere Mannschaft sind und waren und ich wäre ihm auch nicht böse, wenn er Schweinsteiger genau so küssen würde, wie er seine Jungs küsst und sich persönlich bei ihm entschuldigt und ich werde mir dann sogar überlegen ob ich nicht wieder unter dem Künstlernamen Diego Armando wieder Gedichte schreibe, sogar für ihn.

Beethoven's Fünfte gegen Tango Cancion. Der unberechenbare Rhythmus gewinnt.

Argentinien gegen Deutschland. Maradonna gegen Löw. Messi gegen Özil. Südamerika gegen Europa. Der zweifacher gegen den dreifachen Weltmeister. Das Wiedersehen vier Jahre nach dem Elfmeterschiessen von Berlin. Was wurde schon seit Sonntag geschrieben, gesendet, prophezeit und gefachsimpelt. Man diskutiert darüber wie man Messi ausschaltet und wie man Tevez und Higuain nicht ausser Acht lassen sollte. Man versucht die Schwächen der Argentinier zu analysieren und daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Die Verteidigung ist anfällig sagt man. Und es klingt alles irgend wie schon tausend mal gehört und Klischeehaft.

Aber vielleicht kann man das Ganze ja unter einem anderen Licht betrachten. Wenn man sich die Systeme der beiden Mannschaften ansieht, dann spielt Argentinien grundsätzlich mit einem 4-4-2 und sie interpretieren dieses System je nach Spiel und Gegner: Von 4-1-3-2 bis 3-2-3-2 oder4-3-1-2 bis 4-3-3 ist alles dabei. Egal welches System und Variante: Ihre Spielweise gleicht dem Konzept von Tango. Es besticht durch einen sehr harmonischen Grund-Rythmus mit kurzen und der Grundmelodie entsprechenden Höhen und danach folgenden Pausen. Das argentinische Spiel lebt von Harmonie und der Repetition. Entscheidend dafür ist die Achse: Mascherano-Veron-Messi. Sie sind Herz und Hirn der argentinischen Mannschaft. Wenn diese Achse funktioniert, dann tanzt Argentinien Tango und an sehr guten Tagen ist es ein Genuss denen zuzusehen. Aber damit hört auch schon die Herrlichkeit auf.

Die deutschen spielen klar nach einem schon seit Jahren eingespielten System. Dieses System wurde vor 2 Jahren während der Europameisterschaft in Österreich und Schweiz beim Spiel gegen Portugal aus einer gewissen Not geboren. Eine Viererkette. Davor ein Doppel Sechser, davor ein dreier Mittelfeld und eine Spitze. Also eine 4-2-3-1. Dieses System hat Löw in den letzten 2 Jahren fast perfektioniert und durch einen unglücklichen aber im nach hinein nützlichen Umstand - der Verletzung Ballacks - wurde das System moderner, schneller und viel viel unberechenbarer. Wenn man ansieht wie die deutsche Mannschaft dieses System interpretiert und wie flexibel dieses System gespielt wird, wie sie das Tempo ruckartig anziehen können und wie aus heiterem Himmel aus einer eigentlichen Rückwärtsbewegung nach vorne kombinieren, wie das Spiel breit und spitz gemacht wird, dann erinnert mich das an die 5. Symphonie von Beethoven. Die Perfektion der Unberechenbarkeit.

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Schweinsteiger, Khedira, Özil und Müller spielen auf so einer virtuosen Art und Weise die Tonleiter rauf und runter und wechseln die Positionen und die Richtung und die Geschwindigkeit, dass wenn sie wie gegen England auch den Raum haben, jeder Gegner voller Hochachtung zum Zuschauen verdammt ist. Aus dem 4-2-3-1- wird dann blitzartig ein 2-5-2-1 weil Lahm und Boateng vorne dabei sind. Oder es wird daraus ein 4-1-4-1 und oder sogar ein 3-5-2. Beethovens 5. Symphonie ist das erste komponierte Stück Rock`n Roll und genau das spielt die deutsche Nationalmannschaft. Unberechenbar, impulsiv, leidenschaftlich, konsequent und mit ungeheurer Präzision und Durchschlagskraft. Dem kann Argentinien nichts entgegen stellen, weil Argentinien auch in der Verteidigung nur Tango versteht und Tango tanzen kann. Es ist wie ein Gewitter aus heiterem Himmel. Du weisst nicht wann es kommt aber wenn es kommt, bist du nass, egal wie schnell du wegrennst.

Man nennt die 5. auch die Schicksalssymphonie. Das Schicksal will es, dass Maradonna im unberechenbaren Hagel und Rhythmus einer deutschen Symphonie untergehen wird. Und das Schicksal will es auch dass eine junge Mannschaft, die niemand vor 4 Wochen auf dem Zettel hatte, die arrogante, tradierte Fussballwelt, die immer noch in alten Dimensionen und Vorurteilen denkt eines besseren belehren wird. Also wenn am Samstag Deutschland gegen Argentinien spielt, sollten wir vielleicht den Ton des Kommentars einfach ausschalten und statt dessen zu den Bildern dieser grandios spielenden Mannschaft Beethovens Fünfte auflegen und einfach die Magie, den Zauber und den unberechenbaren Rhythmus der die Gauchos in Schock versetzen wird, geniessen.

Die Schlacht von Bloemfontein. Denn die Engländer wollen es nicht anders.

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Morgen um 16 Uhr sollte eigentlich das Achtelfinale der Fussball WM zwischen Deutschland und England stattfinden. Eigentlich. Denn was in der Vorrunde mit einem trotzigen Zitat von Wayne Rooney, der sagte "ich schiesse Deutschland aus dem Turnier", begonnen hat, hat in den letzten Tagen durch die englischen Medien, englische Spieler, Fabio Capello und ein paar Legionären, die in der Premier League spielen, eine derartige Dramatik erfahren, dass seitens der Engländer offen von Krieg und Kriegsanalogien gesprochen wird.

Nun gut, wenn schon die andere Seite sich in der Kriegslogik aufhält und Cappelo als Stratege sogar diese Spannung schürt und so spielen lassen wird und ein Wane Rooney mit der festen Absicht antritt nicht zu gewinnen, sondern die Nationalmannschaft auszuschalten, dann sollten sich Löw und die Mannschaft dementsprechend vorbereiten. Es gibt ein Buch, das mittlerweile als Pflichtlektüre für Manager gilt und vor 2500 Jahren von einem chinesichen General geschrieben wurde. Sunzu und die Kunst des Krieges. Wenn man die Lehren und die Essenz dieses Buches auf das morgige Spiel überträgt, dann ergeben sich ganz klare Konsequenzen.

Sunzu sagt: Jede Kriegsführung beruht auf Täuschung. Wenn ich Löw wäre, würde ich als als allererstes morgen mit einem anderen System spielen. Ein 4-2-2-2. Lahm, Mertesacker, Friedrich und Badstuber als Viererkette. Davor Kroos und Khedira, mit der klaren Anweisung in der Defensive jeweils die Kreise von Lampard und Gerrard zu stören und in der offensive vehement in Kombination mit Özil und Müller blitzartig nach vorne zu kombinieren. Davor als Stürmer Podolski und Klose. Özil sollte über links mit Podolski und Müller sollte rechts mit Klose das Flügelspiel praktizieren. Denn die Engländer werden morgen Özil in Manndeckung nehmen um das Hirn des Spiels der Deutschen auszuschslten, so kann Kroos als Überraschung in der Offensive die Engländer so sehr beschäftigen dass Özil auch Freiräume bekommt. Wenn Lampard und Gerrad kein Platz und keine Spielmöglichkeiten haben ist der Sturm der Engländer so gut wie nicht existent. Siehe auch das Spiel gegen USA aber auch die anderen Spiele.

Wer morgen das Mittelfeld dominiert und besetzt wird den Gegner ermüden und abnutzen. Denn eins ist klar, ab der 55. oder 60. Minute werden die Engländer kaputt sein. Sie haben alle an die 80 Spiele in den Beinen und sind bei weitem nicht so fit wie unsere Mannschaft. Genau dann sollte Schweinsteiger ins Spiel kommen. Sollten wir führen, können er und Khedira das Spiel beruhigen und eher verlangsamen. sollte Deutschland zurueckliegen, waere dan mit der Einwechselungvon Schweinsteiger und eines Systemwechsels derMoment der Überraschung auf unserer Seite und die Verwirrung und die Müdigkeit der Engländer helfen dabei den Anschluss zu finden. Sollte es aber unentschieden stehen, was am wahrscheinlichsten ist, dann haben wir mit Schweinsteiger sogar den moalirschen und spielerischen Turbo um sogar in einer Verlängerung die Entscheidung zu suchen.

Sunzu sagt aber auch: Wenn der Feind zornig ist, dann reize ihn. Und genau das sollten wir morgen befolgen. Wir solltem schwach erscheinen, wenn wir stark sind. Wir sollten weit weg erscheinen, wenn wir nah sind. Wir sollten lsngsam erscheinen, wenn wir schnell sind. Wir sollten Rooney nicht in Manndeckung nehmen und ihn nicht wichtiger nehmen als er ist, denn je länger das Spiel dauert, desto frustrierter wird er sein, denn er hat es der Nation versprochen und muss liefern. Er wird die nerven verlieren und damit uns einen Riesengefallen tun.

Eins ist aber jetzt schon klar. Elfmeterschiessen werden die Engländer mental nicht überstehen und das wissen sie, also versuchen sie die Entscheidung innerhalb der 90 Minuten zu finden. Aber dadurch dass sie nicht Fussball spielen wollen sondern Krieg führen, haben sie jetzt schon ein Problem. Denn Sunzu hat in dem Buch no h was sehr weises gesagt: Jeder Krieg ist gewonnen, bevor er angefangen hat. Und es wird bei der morgigen Schlacht nicht anders sein.

Den Erfolg bemisst man nicht daran, wie hoch einer steigt sondern wie hoch er abprallt wenn er auf den Boden geknallt ist.

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Jetzt beginnt meine Lieblingsphase der WM. Wenn es nicht mehr darum geht Schau zu laufen, sondern einzig und allein darum zu überleben um die nächste Runde zu erreichen. Nach der Vorrunde könnte man wenn man voreilig und oberflächlich ist folgendes festhalten: Argentinien, Brasilien, Holland und ein zwei südamerikanische Mannschaften haben sich keine Blösse gegeben und haben im grossen und ganzen überzeugt. Wenn man aber wirklich Ahnung von de Materie hat, sieht das Bikd nicht so klar aus.

Weltmeister wurden in de Geschichte des Fussballs nie die Mannschaften, die den schönsten, spektakulärsten und modernsten Fussball gespielt haben, sonden die Mannschaften, die folgende Elemente in sich vereinen: Ein eingespieltes System, das flexibel interpretiert weden kann, ein bis zwei Spieler, die aufgrund ihrer individuellen Klasse ein Spiel alleine entscheiden können, perfekte und beste Physik, Glück und was alle anderen Elemente bedingt: Kampfgeist, Wille, Leidenschaft und Beharrlichkeit. 2010 wird nur die Mannschaft Weltmeister, die nicht nur das Spiel beherrscht und auch siegen kann sondern die Mannschaft, die im entscheidenden Moment und trotz Rückschlägen wieder aufsteht und zurückfightet.

Ich bin gespannt zu sehen, was passiert wenn Argentinien zurückliegt und ein Messi nicht ins Spiel kommt weil er qua Manndeckung ausgeschaltet ist. Ich will Brasilien sehen in der Situation, in der Kaka einen schlechten Tag hat und Robinho mit sich selbst beschäftigt ist. Diese Momente werdn kommen. weil diese Momente den Reziz des Fussballs ausmachen. Ohne diese Momente wäre Fussball genau so langweilig wie Eiskunstlauf. Und ich bin mir nicht sicher ob die hochgelobten und von allen hochgepriesenen TopFavoriten dann auch sich als würdig erweisen werden. 


Was ich aber zu tausendprozent weiss, ist dass eine Mannschaft gibt, die genau in diesen Momenten zur Höchstleistung und zu unmöglicher Leistungssteigerung fähig ist. Es ist die Mannschaft, die in der Geschichte die besten, denkwürdigsten und leidenschaftlichsten Spiele der WM produziert hat: Ob es das Spiel des Jahrhunderts war (das Halbfinale der WM 70 gegen Itakien) oder das wahrscheinkich unglaublichste Spiel überhaupt (Halbfinale der WM 82 gegen Frankreich).

Diese Mannschaft bezieht ihre Stärke nicht alleine aus ihrem Talent modernen, schnellen, Kombinationsfussball mit intelligenter Veschiebung der Reihen soielen zu können und jeden an einem guten Tag zu schlagen. Diese Mannschaft ist deswegen stark, weil sie eine Fähigkeit, die sonst niemand der übrigen Mannschaften in diesem Turnier besitzt. Man nennt das um einen Begriff aus dem Boxsport zu bemühen: Nehmerqualitäten. Sie stehen immer wieder auf, sie geben sich nie geschlagen, sie verzweifeln nie, sie wollen mit jedem zentimete ihren Körpers den Erfolg und sie glauben an sich und an das Team und sie wissen dass die ganze Welt sie dafür bewundert.

In Frankreich nennen sie sie hochachtungs voll "Le Mannschaft". Der Brasilianische Trainer versucht seiner Mannschaft diese Fähigkeigkeit anzutrainieren. Und die Engländer die am Sonntag im Achtelfinale gegen diese Mannschaft antreten werden, werden schlaflose Nächte haben und daran verzweifeln. Die Rede ist von der deutschen Nationalmannschaft. Meiner Meinung nach der Topfavorit auf den Titel, weil es beim Fussball nicht nur um Technik, Eleganz, Taktik oder Stars geht, sondern um etwas was der amerikanische General George Patton als Charakter und Erfolgsqualität bezeichnet hat: "I don't measure a man's success by how high he climbs but how high he bounces wehen he hits bootom."

Morgen werden alle Familienangelegenheiten ins Reine gebracht. Auch die der Boatengs.

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Mit Vorhersagen ist es so eine Sache. Wenn man richtig liegt, dann sagen viele Glück gehabt. Wenn man daneben liegt, sagen wiederum andere keine Ahnung gehabt.  Es gibt aber Ereignisse, die sind schon längst entschieden. Lange bevor sie überhaupt stattfinden. Das Spiel morgen wurde an einem warmen Mai-tag entscheiden. Da foulte Kevin Prince Boateng Michael Ballack so schwer, dass er seine WM Teilnahme absagen musste. Der Kapitän, der Kopf, der Regisseur, der Lenker, der Antreiber, der Pate war raus.

Die restliche Mannschaft und der Trainerstab waren geschockt. Die Nation am Boden. Viele zweifelten kurz nach Ballacks Verletzung ob die deutsche Nationalmannschaft ohne den Kapitän und nach Experte Meinung einzigen Weltklassespieler in der Lage sein wird eine gute Weltmeisterschaft zu spielen. Doch es passierte genau das Gegenteil. Durch den Wegfall von Ballack mussten auf ein mal Leute Verantwortung übernehmen und den Leader spielen, die sich bis jetzt immer noch hinter den breiten Schulten des Capitanos verstecken konnten. 

Schweinsteiger spielt nicht nur den besten Fussball seines Lebens, weil er jetzt im zentralen Mittelfeld spielt sondern weil er jetzt gefordert ist die Mannschaft anzutreiben und mitzuziehen. Und diese junge Mannschaft ist noch enger zusammengerückt, weil sie spüren, dass sie nur gemeinsam als Einheit und Familie eine Chance haben werden. Weil Sie wissen, dass sie sich nur gemeinsam und selbst aus dem dreck ziehen müssen und weil sie wissen, dass der Druck erfolgreich zu sein auch ein wenig deshalb weggefallen ist, weil man wegen dem Ausfall von Ballack keine Wunderdinge von Ihnen erwarten wird. 

Neben der psychologischen Seite, passierte noch was anderes. Das Spiel der Nationalmannschaft wurde durch den Wegfall von Ballack viel flexibler, viel schneller und viel variantenreicher. Ballack war und ist ein Fels in der Brandung aber genau so wie ein Fels fühlte sich teilweise die Dynamik des Spiels der Mannschaft an. Mit 33 Jahren ist Ballack nicht mehr der schnellste und dynamischste . Er ist nicht mehr der, der er 2002 war als er seine Rolle eines zentralen Mittelfeldspielers sehr offensiv und sehr überraschend interpretiert hat. Das tut jetzt Khedira.

Ballack ist aber nie weg gewesen. Er ist da. In den Köpfen, in den Beinen und im Herzen dieser jungen Mannschaft. SIe wissen es dass er für sie auf dem Platz alles gegeben hätte und deshalb werden sie auch für ihn alles geben. In jedem Spiel aber vor allem im Spiel gegen Ghana. Morgen spielt die Deutsche Nationalmannschaft mit einem zusätzlichen Turboschalter und mit einem zwölften Mann. Und das wird sie trotz des offensichtlichen Drucks beflügeln. es gibt eine sehr schöne Filmaufnahme aus dem Trainingslager der Nationalmannschaft auf Sardinien. 

Es ist der Moment des Abschieds, als die Mannschaft das Hotel verlässt und Richtung Schweiz aufbricht. In der Lobby sitzt Michael Ballack mit seinem Gipsbein. und alle Spieler stehen Schlange und unterschreiben nacheinander auf dem Gipsbein, umarmen Ballack und flüstern ihm was zu. Man hört nicht was sie sagen, aber ich kann mir vorstellen dass sie ihm da versprochen haben dass sie auch unter anderem für ihn den Titel holen werden. Und das werden sie. 

Ghana wird morgen nicht nur spielerisch keine Chance haben. SIe haben auch psychologisch ein Problem. Sie spielen morgen nicht gegen 11 Mann sondern gegen 80 Millionen und Boateng wird es bei jedem Zweikampf, jedem Ballkontakt und jedem Schritt spüren.  Morgen werden wir alle Familienangelgenheiten ins Reine bringen auch die der Boatengs. Und es wird auch Ballacks bestes Turnier, obwohl er kein Spiel spielen wird und nicht ein mal auf der Bank sitzt. Denn Ballack wird da sein, jeden Schritt des Weges in den Köpfen und im Herzen der jüngsten DFB Auswahl und er wird sie ohne was zu sagen antreiben und noch enger zusammenrücken lassen und er wird sie dazu bringen über sich hinauszuwachsen. Und man wird dann rückblickend sagen, die Weltmeisterschaft wurde nicht am 11. Juli 2010 gewonnen sondern  an einem warmen Frühlingstag in Mai.

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To Posterous, Love Metalab